Der Landesverband der Gehörlosen Bremen e.V. wurde 1961 gegründet. Gleichzeitig trat man auch in den Deutschen Gehörlosen-Bund ein,  dem alle Bundesländer angehören.

In der alten Satzung, die im März 1963 vom Amtsgericht anerkannt wurde, sind die Aufgaben des LV aufgeführt, insbesondere aber Verbesserung der Lebensqualität Gehörloser, Vertretung der Interessen der Gehörlosen bei Behörden, Rat und Hilfe für Gehörlose usw. Grundsätzlich hat sich hier in den letzten Jahren wenig geändert. Seitdem wir zu allen Veranstaltungen/Tagungen über die Dolmetscherzentrale des Landesverbandes Gebärdensprachdolmetscher  bestellen können, hat sich unser Bekanntheitsgrad verbessert. So wurde von  uns viel zur Barrierefreiheit in Bewegung gesetzt und Gehörlose werden mehr in der Öffentlichkeit beachtet.

Im LV der Gehörlosen sind alle Gehörlosen-Vereine des Landes Bremen zusammen geschlossen. Auch der Gehörlosenverein Bremerhaven gehört dazu. In diesen Vereinen können die Gehörlosen ihren Interessen nachgehen, finden Freunde oder Partner; dort wird in der ihnen vertrauten Gebärdensprache kommuniziert, dort versteht jeder jeden. Seit jeher  gilt  auch der Grundsatz: Die Heimat der Gehörlosen ist der Verein.

1976 wurde erstmals der „Tag der Gehörlosen“  in Bremen begangen, der weltweit immer Ende September gefeiert wird. Mit einer großen Demo gingen die Bremer Gehörlosen auf die Straße und marschierten bis zum Marktplatz.

Nach dem Tode 1981  von Alexander Hundertmark , der  das Amt des 1. Vorsitzenden 3 Jahre  innehatte, erklärte sich Käthe George bereit, neben der Leitung des im Jahre 1976 gegründeten GEHÖRLOSENFREIZEITHEIM (FZH, inzwischen umbenannt in Gehörlosenzentrum – GLZ) auch den Vorsitz des Landesverbandes zu übernehmen.  Sie wurde am 20. Januar 1981 zur 1. Vorsitzenden gewählt.

Das Hauptaugenmerk wurde zuerst auf die  Vergrößerung des FZH  gelegt, hier: Allen  Vereinen in Bremen  ein „Zuhause“ zu schaffen. So wurde die Verbandsarbeit vorwiegend  in Zusammenarbeit mit dem FZH  koordiniert.

Schon im Jahre 1987 konnten wir ältere, gehbehinderte Gehörlose mit Hilfe eines Fahrdienstes, der vom Sozialsenator finanziert wurde, zu den Seniorentreffen im FZH abholen und zurück nach Hause bringen. Im gleichen Jahr wurde auch die Dolmetscher-Zentrale im LV gegründet, nachdem der Senat Anfang der 80-er Jahre erstmals Mittel für  Dolmetscher in den Vereinen und Verbänden  Bremens bewilligte.  So konnten wir 1988  mit 7.500,- DM, die uns bewilligt wurden für die Vereine, aber auch für private Zwecke, die Einsätze der Dolmetscher abrechnen. Die Höhe der Summe hat sich in den nachfolgenden Jahren kontinuierlich erhöht, eine spürbare Verbesserung gab es allerdings erst durch die Anerkennung der Gebärdensprache im Jahre 2002.

1991 richtete man im  LV eine Arbeitsgruppe unter dem  Gehörlosenlehrer Reinhard Riemer ein, die es sich zur Aufgabe machte, den  Gehörlosen Erleichterungen im Leben – hier besonders im Arbeitsleben –  zu verschaffen.   So entstand nach fast 3-jähriger Vorbereitung der „Berufsbegleitende Fachdienst für Hörgeschädigte“. Der LV übernahm hier die Trägerschaft und konnte somit die Interessen der Gehörlosen vertreten.  Nachdem 2004 das 10-jährige Jubiläum des Fachdienstes begangen werden konnte, wurden in Bremen alle Integrationsfachdienste der Behinderten zusammen geschlossen. Auch der LV musste die Trägerschaft beenden. Es wurde jedoch eine GmbH gegründet, welcher der LV als Gesellschafter angehört. So wird die äußerst wichtige Arbeit für alle Hörgeschädigten erfolgreich fortgesetzt.

Aufgrund immer größer werdender  Nachfrage von Seiten der Gehörlosen wurde 1993 die Selbsthilfegruppe „KOFO“ im Landesverband ins Leben gerufen. Das KOFO-Team organisiert regelmäßig Vorträge, bei denen die Gehörlosen ihr Wissen erweitern können. Sofern die Vorträge nicht von Gehörlosen selbst angeboten werden, übersetzen Gebärdensprach-Dolmetscher.

Eine weitere Selbsthilfegruppe im LV ist das DEAF-CAFE, welches im März 2000 mit Hilfe öffentlicher Mittel eingerichtet wurde.  Hier werden Computerkurse angeboten; man kann im Internet surfen und bekommt von den Mitarbeitern weitgehend Hilfe in allen computertechnischen Fragen, wenn auch die Aktivitäten etwas zurückgegangen sind.

In der Gehörlosen-Geschichtlichen Werkstatt beschäftigen sich Leiter und Mitarbeiter mit der Geschichte der Bremer Gehörlosen-Vereine, sammeln Dokumente und Fotos, um diese der Nachwelt zu erhalten. Auch Ahnenforschung wird hier betrieben. Wichtige Daten bekannter Gehörloser werden ebenfalls gesammelt. In einem kleinen, aber feinen Raum im GLZ hat die Gruppe ein interessantes Archiv eingerichtet.

Das Team der Frauengruppe ist für Belange der Frauen zuständig und organisiert Workshops und Vorträge, in denen sich gehörlose Frauen orientieren und Kontakt mit auswärtigen Frauen pflegen und sich austauschen können, genauso wie die

Gehörlosen Senioren. Hier werden regelmäßig Seniorentreffen durchgeführt, man trifft sich zum Seniorentag und richtet Vorträge für seniorenspezifische Themen ein. Hier stehen noch bessere Versorgungen für gehörlose Senioren an, die mehr Hilfe und Unterstützung benötigen.

Die jüngste Selbsthilfegruppe im LV ist Taube Türkis. Diese Gruppe setzt sich für selbstbestimmtes Leben  alter und junger Gehörloser ein; organisiert Treffen und möchte die Idee einer Taubengemeinschaft (auch Gebärdensprachgemeinschaft) mehr publik machen.

Nachdem im Jahre 2001 unser jahrelanger Kampf um eine „Institutionelle Förderung  Gehörloser“  endlich von Erfolg gekrönt wurde und der LV mit Hilfe des Senats im FZH eine  Beratungsstelle & Dolmetschervermittlung einrichten konnte, wurde diese im Jahre 2001 mit Patrick George als kompetente Fachkraft besetzt, die den Hilfe suchenden Gehörlosen beratend zur Seite steht,  alle Dolmetschereinsätze im Lande Bremen vermittelt und sich u.a.  um Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Darüber hinaus wird das Netzwerk der Gruppen und Institutionen, welche sich in irgendeiner Weise mit den Belangen der Gehörlosen beschäftigen, vom Leiter der Beratungsstelle moderiert.

Die Beratungsstelle ist seitdem für den LV und die Gehörlosen Bremens unverzichtbar geworden, zumal 2003 auch der Sozialdienst für Gehörlose geschlossen werden musste. Auch Flüchtlinge suchen hier Beratung und Hilfe. So wäre eine Vergrößerung dringend notwendig; z.B. eine Beratung speziell für gehörlose Senioren.

Der ehrenamtlich tätige Vorstand des Landesverbandes setzt sich u.a. für Verbesserung der Lebenssituation Gehörloser, für gehörlose Senioren, frauenpolitische Aufgaben sowie für Weiterbildungsangebote Gehörloser ein. Auch die Jugendarbeit ist eine vordringliche Aufgabe des Landesverbandes; eine geeignete Person fehlt jedoch noch, die sich der Jugend annimmt.

Die langjährige 1. Vorsitzende  Käthe George – jetzt Ehrenvorsitzende –  gab 2005  das Amt an ihre Nachfolgerin Sabine Schöning ab, steht jedoch dem Vorstand beratend zur Seite. Auch im Landesbehinderten-Beirat sind die Gehörlosen vertreten, die 2015 den Landesteilhabeplan in Bremen mitgestalteten.

Der Landesverband der Gehörlosen ist neben der Mitgliedschaft im Deutschen Gehörlosen-Bund auch Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband sowie in der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe behinderter Menschen, deren Aktivitäten er unterstützt.

Stand : Mai. 2016

Satzung

Stand 24. Februar 2017 hier